Weingarten, Baden-Württemberg

  • Das Kloster Weingarten ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner auf dem Martinsberg in der bis 1865 „Altdorf“ heißenden, heute nach dem Kloster benannten Stadt Weingarten im baden-württembergischen Landkreis Ravensburg. Das ehemalige Hauskloster der Welfen bestand von 1056 bis zur Aufhebung durch die Säkularisation im Jahr 1803. Die Basilika St. Martin und Oswald ist die 1724 geweihte frühere Stiftskirche der Reichsabtei in Weingarten.

    weingarten-1.jpgBasilika St. Martin

    Der Grundstein der Barockkirche wurde am 22. August 1715 gelegt. Sie ersetzte die romanische Kirche des Benediktinerklosters. Der Neubau wurde während der Amtszeit von Abt Sebastian Hyller am 10. September 1724 durch den Bischof von Konstanz Johann Franz Schenk von Stauffenberg den Kirchenpatronen St. Martin und St. Oswald geweiht.
    Die Kirche ist mit einer Kuppelhöhe von 67 Metern und einer Länge von 102 Metern das größte barocke Kirchenbauwerk in Deutschland und nördlich der Alpen. Abt Hyller, nach dem auch eine Straße in Weingarten benannt ist, wählte bewusst für den Neubau der Kirche nahezu die hälftigen Ausmaße des Petersdoms in Rom. Baumeister war Joseph Schmuzer, das Chorgestühl schnitzte 1720 bis 1724 der Bildhauer und Stuckateur Joseph Anton Feuchtmayer, er fertigte auch die Stuckaturen.

    Seit der Auflösung der Benediktinerreichsabtei 1803 dient die Kirche als Pfarrkirche der katholischen Pfarrei St. Martin. Ab 1922 war sie zugleich Klosterkirche des neu besiedelten Benediktinerklosters Weingarten (bis zur Auflösung dieser Abtei 2010). 1956 wurde die Kirche von Papst Pius XII. zur Basilica minor erhoben.

    Die in der Kirche aufbewahrte Heilig-Blut-Reliquie ist Gegenstand religiöser Verehrung in ganz Oberschwaben. Sie steht im Mittelpunkt einer der größten Reiterprozessionen Europas, dem jährlich stattfindenden Blutritt.



    weingarten-2.jpgDie Heilig-Blut-Reliquie

    In der Reliquie befindet sich Blut aus der Seitenwunde Christi, das mit Erde von Golgatha vermischt ist. Das 35 Millimeter lange und zwei Millimeter breite Stäbchen, Blut Christi mit Erde von Golgatha vermischt, war ursprünglich in einem Linnen aufbewahrt, bis Abt Berthold (1200-1232) die Reliquie in die heute noch übliche Form fassen ließ. Dazu hatte ihn vielleicht die Vorderseite der vermutlich auf der Reichenau um 962 entstandenen Kaiserkrone angeregt, die heute in der weltlichen Schatzkammer der Hofburg in Wien aufbewahrt wird und die damals vorübergehend auf der Waldburg, von Prämonstratensern aus Weißenau bewacht und verehrt, ein Asyl gefunden hatte. Das Reliquiar besteht aus einem Doppelkreuz. Der obere Teil ist kleiner und schmäler und zeigt heute in farbigem Email Christus am Kreuze. Der untere Teil erscheint jedoch breiter. Die Reliquie wird von einem hufeisenförmigen Bergkristall eingefasst, der in seiner jetzigen Form aus dem Jahr 1736 stammt, sich nach unten hin verjüngt und der von einem fünffachen Rahmen umgeben ist. Das derzeitige Reliquiar wurde 1956 angefertigt.

    Der römische Centurio Longinus spielt in der Überlieferung von der im Kloster in Weingarten aufbewahrten Heilig-Blut-Reliquie Christi eine wichtige Rolle: er war demnach zuvor blind und wurde nach dem Stich mit seiner Lanze sehend, weil Christi Blut auf seine Augen tropfte. Er verwahrte das Blut und brachte es nach seiner Taufe durch die Apostel nach Mantua in Italien; bevor er dort den Märtyrertod starb, versteckte er die Reliquie. Später fand sie der blinde Adilbero, wurde sehend und unterrichtete den Kaiser, den Papst und den Herzog von Mantua, die sich nun um deren Besitz stritten; so wurde sie aufgeteilt unter Papst Leo IX., dem Herzog von Mantua und Kaiser Heinrich III.


    Hinweise

    Quelle
    Wikipedia