Palladium von Böhmen

  • Das Palladium von Böhmen ist ein Relief der Heiligen Maria mit dem Kind. Das Material ist Kupfer, stark vergoldet. Es ist 19 Zentimeter hoch und 13,5 Zentimeter breit und sitzt in einem Rahmen, der mit Edelsteinen und Perlen besetzt ist. Das Bild wird bei jeder Sonntagsmesse in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche ausgestellt und die Gläubigen können es immer am Ende der Messe verehren.
    Das Wort „Palladium“ kommt von der altgriechischen Göttin Pallas Athene, die die Schutzgöttin der Stadt Athen war. Später bekam dieses Wort die Bedeutung eines allgemeinen Schutzsymbols.

    palladiumvonboehmen-1.jpgDas böhmische Palladium hat eine lange Geschichte. Diese Geschichte ist eng mit dem heiligen Wenzel verbunden, dem Landespatronen Tschechiens. Wenzel war ein Fürst aus der böhmischen Dynastie der Přemysliden. Er lebte von 907 und 935 n. Chr. und war einer der ersten getauften Herrscher auf dem böhmischen Thron.

    Fürst Wenzel bekam das Gnadenbild von seiner frommen Großmutter, der heiligen Ludmilla, zur Taufe geschenkt und er trug das Gnadenbild immer bei sich, auch wenn er nach Stará Boleslav reiste. In Stará Boleslav hatte sein Bruder eine Burg, und Wenzel besuchte ihn dort am 27. September 935. Wenzels Bruder hieß Boleslav, von ihm hat die Stadt auch ihren Namen. Am Morgen des 28. September ging Wenzel zur Heiligen Messe und vor der Kirche traf er seinen Bruder. Boleslav strebte an die Macht - er ließ Wenzel ermorden. Wenzel hatte wie immer das Gnadenbild zur Heiligen Messe mitgenommen.

    Wenzel hatte einen treuen Diener, der Podiven hieß. Als dieser Diener erfuhr, dass Wenzel tot war, nahm er das Bild an sich, um es zu retten. Er vergrub es am Waldrand in der Erde. Gemäß der Überlieferung hat ein Bauer das Gnadenbild ungefähr 200 Jahre später beim Pflügen gefunden. An der Fundstelle entstand später die barocke Mariä-Himmelfahrt-Kirche. Das Gnadenbild wurde später ein christliches Symbol, das viele Pilger anzog.

    Die Christen glauben daran, dass das Gnadenbild Wunder wirken und Kranke heilen kann. Es gibt Aufzeichnungen, dass schon im 12. Jahrhundert Tausende Pilger nach Stará Boleslav kamen, um das Gnadenbild zu verehren.


    Stará Boleslav ist ein Ort, an dem zwei bedeutende Heilige verehrt werden. Denn neben der Jungfrau Maria wird hier auch der heilige Wenzel verehrt. Schon im 10. Jahrhundert gab es die Wenzelwallfahrten, immer an Wenzels Todestag, dem 28. September.

    Stará Boleslav war der älteste Wallfahrtsort der böhmischen Länder. Vom 12. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fanden ununterbrochen Marien- und Wenzelwallfahrten nach Stará Boleslav statt.

    Die Tradition der Marienwallfahrten reicht also bis ins Mittelalter zurück und geht bis herauf in die Gegenwart. Doch das Gnadenbild ging noch mehrmals in der Geschichte verloren …

    Im Dreißigjährigen Krieg ging es zweimal verloren. Die Sachsen eroberten Stará Boleslav, raubten das Gnadenbild und brachten es nach Sachsen. Aber die böhmischen Adligen kauften das Bild zurück – sie wollten es nicht missen. Am Ende des Krieges fiel das Gnadenbild dann den Schweden in die Hände, die es nach Schweden verschleppten. Doch nach langen diplomatischen Bemühungen erlangten es die Tschechen wieder und 1650 kam es endgültig nach Stará Boleslav zurück.


    Inzwischen war aber die Bedeutung des Gnadenbildes noch gestiegen. Es hatte eine besondere, zusätzliche Bedeutung bekommen.

    Im Jahre 1609 wurde es zum nationalen Schutzbild erklärt. Seit jener Zeit nennt man das Gnadenbild ´Palladium´. Die ganze Barockzeit war natürlich eine Periode großer Wallfahrten. Aber wir haben auch aus dem 19. Jahrhundert Belege darüber, dass bei den Marienwallfahrten in Stará Boleslav bis zu 55.000 Pilger zusammenkamen.


    1950 versteckten die neuen Machthaber das Palladium; nur eine Kopie war noch vorhanden. Die Gläubigen verehrten das Gnadenbild auch weiterhin, aber sie mussten es heimlich tun. Wenn wir am 15. August heimlich zur Kirche gingen, hatten wir Angst, dass uns jemand sieht. Wir schlüpften rasch in die Kirche, und erst da fühlten wir uns sicher.

    Nach der Samtenen Revolution bemühten wir uns, die Wallfahrten wieder zu beleben. Aber das ist nicht ganz einfach. Vor sieben Jahren wurden die Wenzelwallfahrten erneuert, das hat uns sehr geholfen. Im Jahr 2008 errichteten wir ein Kreuz der Versöhnung. Es erinnert an das Unrecht, unter dem die Menschen in der Geschichte immer wieder leiden müssen. Damals kamen zahlreiche Gläubige aus Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn und anderen Ländern nach Stará Boleslav. Am 15. August 2009 haben wir das 400. Jubiläum des Palladiums, unseres nationalen Schutzsymbols gefeiert.



    Hinweise

    Quelle
    http://www.radio.cz/de/rubrik/geschichte